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The Source:

Amand, Freiherr von Schweiger-Lerchenfeld:
"Bosnien, das Land und seine Bewohner"
Verlag L.C. Zamarski, Wien, 1878

Amand Freiherr von Schweiger-Lerchenfeld has written a number of interesting travel books. A number of years ago I was lucky enough to find an original copy of his fascinating book about Bosnia. It turned out that the book was even more interesting than I had expected, for it also featured material about vampires.

I was amused to find that Amand von Schweiger-Lerchenfeld seemed honestly shocked by the fact that the clergy was abusing the local superstitions to earn themselves some extra money. My dear Amand, I wish to God that fraud would be the worst thing that some "priests" do get up to. . .

On this page I will give you the part about vampires. I did translate it into English some years ago. But I have recently moved most of my books, papers, files and everything else to a new location. And it looks like it is going to take me quite a bit of time before I will have sorted everything out again. However, the book itself is still within easy reach. So, for the time being (and this could turn out to be a very long time), I am afraid that you will have to make do with the original German version.

Amand von Schweiger-Lerchenfeld on Vampires:

      "Neben Rachegefühl und Hass ist es forwiegend ein finsterer Aberglaube, der in diesen Länder die Massen beherscht. War schon das Türken-Regiment an sich kein Mittel zur Aufklärung, so trug die einheimische Geistlichkeit, und zwar speciell die griechisch-orthodoxe zum Theile aus eigener grober Unwissenheit, anderntheils aus Speculation, im gleichen Grade die Schuld an der geistigen Umnachtung des Volkes. Es gibt kaum ein Land im Südosten Europas, wo der Aberglaube so wild wuchert, wie in Bosnien und der Herzegowina.

Zwar ist eine Eigenthümlichkeit des serbischen Stammes, dass er in seinen Lebensäusserungen für jedes Ding, für jeden noch so unbedeutenden Zwischenfall sofort mit der Prädestination zur Hand ist; aber all' die zahlreichen Hausmittelchen, die Lebenselixire und Schützmittel gegen Gespenster und Hexen, die mytischen Gebräuche in einem vermeintlichen Verkehre mit Dämonen guten und bösen Charakters, - das Alles ist noch geringfügig gegenüber dem Wahnglauben, der durch ganz Bosnien bis in die Herzegowina hinab und zu den Felsenhöhen Montenegros hinauf in Bezug auf die Existenz menschlicher Vampyre mit ungeschwächter Kraft sich bis auf den Tag erhalten hat.

Was der Vampyr eigentlich ist, dürfte im Allgemeinen bekannt sein; weniger aber die Rolle, welche die orthodoxe Geistlichkeit hiebei spielt. Vampyre nennt man in den fraglichen Ländern verstorbene Menschen, die trotz ihres Ablebens noch immer eine unheimliche Existenz fortfristen, indem sie allmonatlich einmal, und zwar in der Nacht des Vollmondes ihre Gräber verlassen und unter den Ueberlebenden der näheren Verwandschaft oder Bekanntschaft ihre Unwesen treiden.

Die Opfer des Vampyrs sind diejenigen Menschen, welche er in seinem Leben am glühendsten geliebt, oder am tiefsten gehasst, und deren Andenken seine Todesstunde ganz erfüllt hatte. Der Vampyr nähert sich, dem Volksglauben gemäss, seinen Opfer während des Schlummers und saugt ihm aus einer zwar kleinen und kaum merkbaren, aber tiefen Wunde das Herzblut aus. Der so "Gebissene" fühlt, während der Vampyr bei ihm weilt, weder Schmerz noch Unruhe, sondern im Gegentheile eine sanfte angenehme Kühlung, gleich als wedle ein Fächer während heisser Sommergluth Linderung zu, und angenehme Traumbilder erfüllen seine Seele. Die Erwachenden finden dann am Morgen nur einen ganz kleinen rothen Fleck in der Herzgegend, die Stelle, wo der Mund des Vampyrs geruth hat, empfinden aber sodann eine sanfte Mattigkeit und eine entschiedene Abnahme der Lebenskraft. . .

Diese angebliche Procedur wiederholt sich innerhalb eines Jahres alle zwölf Vollmondnächte hindurch, und ist jenes um, so verfällt das Opfer dem Tode, wodurch gleichzeitig der Vampyr von seinem unheimlichen Berufe erlöst wird and endgiltige Ruhe im Grabe findet.

Das solcher Wahnglaube hochgradig dazu beiträgt, die Intervention der Geistlichkeit herauszufordern, erscheint begreiflich. Aber wie geschieht nun diese ? Da die Popen die Existenz des Vampyrs zugeben, so fällt ihnen vorerst die Aufgabe zu, denselben unschädlich zu machen. Weder Nachtwachen noch Gebete in der Stube Desjenigen, oder Derjenigen - denn meist trifft Frauen oder Bräute diese Los - welche die nächtlichen Besuche des Vampyrs erhalten, nützen, wenn sie von Seite der gewöhnlichen Angehörigen geübt werden. Nur das Popengebet - natürlich das bezahlte - ist von Wirkung, und zwar muss dasselbe eine volle Stunde von Mitternacht ab laut gesprochen und dazwischen allerlei Beschwörungsformeln vorgebracht werden.

Dann verbleibt der Vampyr zwar in der Nähe des Hauses und sein unheimliches Flügelrauschen sowie ein leises Wehklagen ist sehr deutlich vernehmbar, aber über seine Opfer selbst besitzt er keine Gewalt. Eine jede Unterbrechung dieser priesterlichen Intervention in den folgenden Vollmondsnächten soll den Vampyr nur noch blutdürstiger machen.

Nutzen indess auch die Gebete nichts, dann wird zur ultima ratio geschritten, die in folgender Procedur besteht: Der dem Opfer zunächst Stehende richtet sich einen klafterlangen, armdicken Holzpfahl zurecht, der priesterlich eingeweiht wird und wofür abermals eine gewisse Summe "zum Besten der Kirche" zu entrichten kömmt; mit dieser Waffe ausgestattet, verfügt sich der Betreffende, nicht ohne Furcht und Bangen, was begreiflich erscheint, zum Grabe des Vampyrs, öffnet dasselbe und bohrt sodann den spitzen Pfahl mit aller Wucht durch das Herz der Leiche. Aber sie ist nicht eigentlich eine solche. Obwohl seit Monden dem Schosse des Mutter Erde zurückgegeben, ist sie gleichwohl nicht im geringsten verwest; ja sie zeigt vielmehr eine auffällige Frische und strotzt voll Leben, eine Erscheinung, die mit dem blutsaugerischen Geschäfte des Vampyrs in Einklang zu bringen ist.

Das dieses grauenhafte Geschäft der "Leichentödtung" noch immer in voller Uebung ist, geht aus verschiedenen Reiseberichten, die sich mit diesem Gegenstande oft sehr umständlich befassen, unzweifelhaft hervor. Wir haben indess dieses kleine Culturbild nur aus dem Grunde geliefert, um den Beweiss zu erbringen, dass die orthodoxe Geistlichkeit entweder auf gleicher Culturstufe mit ihrer Heerde steht, oder aus einem abscheulichen Wahnglauben einen materiellen Nutzen zieht."

Comments and page 2009 by Rob Brautigam - NL - Last changes 14 February 2009
Photo "Kensal Green Cemetery - London" 1979 by Rob Brautigam

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